Vorwort
Motorsport war bei Reifenbert von Anfang an ein allgegenwärtiges Thema. Ob kleine, von Verbrennungsmotoren angetriebene Modellautos oder große, leistungsstarke Rennwagen – Technik, Geschwindigkeit und Wettbewerb spielten immer eine zentrale Rolle.
Zu Beginn der Geschäftstätigkeit unterstützte Reifenbert regionale Rallyefahrer und deren Teams finanziell sowie mit Sachleistungen. Diese Form der Werbung sorgte für Aufmerksamkeit, beanspruchte auf Dauer jedoch einen beträchtlichen Teil des Werbebudgets.
Damit stellte sich zunehmend die Frage, ob ein eigenes Rallyeteam nicht die sinnvollere und zugleich wirkungsvollere Lösung wäre. Anfangs genügte es, fremde Rallyefahrzeuge mit Reifenbert-Werbung zu bekleben. Später sollte es dann doch das eigene Team sein.
So entstand das private, aber von Reifenbert und weiteren Unternehmen unterstützte Rallyeteam Black Devil. Das Einsatzfahrzeug war ein schwarzer Mitsubishi Colt GTi mit 1,8-Liter-Motor. Serienmäßig leistete das Fahrzeug rund 140 PS; nach technischen Änderungen standen ungefähr 180 PS zur Verfügung.
Modernere Rallyefahrzeuge dieser Zeit verfügten teilweise bereits über deutlich höhere Leistungen. Doch für unser Ziel war das nicht entscheidend. Dabei sein war alles – und aus regionaler Sicht war der Rallyesport eine außergewöhnlich wirkungsvolle Werbeplattform.
Mit dem eigenen Rallyeteam wechselte ich gewissermaßen die Seite. Plötzlich erhielt das Team selbst Werbebeiträge und materielle Unterstützung von Reifen- und Zubehörherstellern. Besser hätte es kaum laufen können.
Schon nach den ersten Sonderprüfungen erschienen Berichte und Fotos in Regionalzeitungen. Genau das war unser Ziel. Es ging nicht in erster Linie darum, Rallyes zu gewinnen. Dafür wäre der Colt gegenüber leistungsstärkeren Fahrzeugen nicht konkurrenzfähig genug gewesen. Seine eigentliche Aufgabe erfüllte er jedoch hervorragend: Er machte Reifenbert bekannt.
Abseits des Werbewerts erfüllte sich damit auch ein persönlicher Traum: ein Rallyefahrzeug unter Wettbewerbsbedingungen über abgesperrte Straßen und Sonderprüfungen zu bewegen. Der Colt brachte zwar keine Etappensiege, aber Aufmerksamkeit, Zeitungsberichte und zahlreiche neue Kunden für das Hofgeschäft.
Bei Rallyeveranstaltungen kam der Colt zeitweise auch als Vorausfahrzeug zum Einsatz. Dabei konnten neugierige Besucher als Beifahrer erleben, wie sich ein Rallyefahrzeug bei hoher Geschwindigkeit auf engem und unebenem Untergrund anfühlt. Der Beifahrersitz eines Vorausfahrzeugs wird im Rallyesport gerne als „heißer Stuhl“ bezeichnet. Für manche Mitfahrer war diese Erfahrung so intensiv, dass sie nicht ganz ohne körperliche Reaktion blieb.
Auch sogenannte „Abflüge“ gehörten zum Rallyealltag. Damit ist das unbeabsichtigte Verlassen der Straße gemeint – meist mit beträchtlicher Geschwindigkeit und entsprechend viel kinetischer Energie. Solche Situationen wurden selbstverständlich nicht gesucht. Sie konnten jedoch durch Fahrfehler, Fehleinschätzungen oder Missverständnisse zwischen Fahrer und Copilot entstehen.
Motorsport verlangte Begeisterung, aber ebenso Respekt. Die Risiken waren real und durften nie unterschätzt werden.


